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Utopia – die permanente Lichtgeburt

Ein  Essay

Am Anfang steht das Nichts. Der dunkle Kosmos regiert. Dann wird der Tag aus der Nacht geboren. Das Buch Genesis in der Bibel und andere Schöpfungsmythen wie das Gilgameschepos betonen die Bedeutung des Lichts. Die Menschwerdung, die Kultivierung der Natur vollzieht sich als Entstehen einer Lichtung im Nichts. Die Geschichtsschreibung betrachtet den Kampf des Lichtes mit der Dunkelheit. Auch moderne Astrophysiker beschreiben schwarze Löcher, die wie ein geöffneter Schlund alles Sein in sich verschlingen. Dennoch überdauert das magisch anziehende Licht, es entsteht neu. Der altägyptische Sonnengott Re verkörpert die Kultivierung der unbändigen Natur, weist der Menschwerdung den Weg. Der alttestamentarische Gott Jahwe zeigt sich im brennenden Dornbusch, das Feuer symbolisiert das Licht und die Hoffnung. Vom platonischen Höhlengleichnis über das christliche Pfingstwunder, vom abendländischen Fortschrittsglauben – philosophisch in der Aufklärung manifestiert – bis hin zur sozialistischen Utopie vollzieht sich die Überwindung des Status Quo als Lichtwerdung, welches die dunkle Materie negiert. Science-Fiction-Autoren beschreiben den Kampf des Lichtes mit der Finsternis. Das Licht besiegt den Geist der Negation, es steht für das Positive, das Göttliche.

Der Philosoph Martin Heidegger sagt pessimistisch, dass das Nichts das Sein immer wieder nichte, die Rodung im dunklen Wald in einem permanenten Prozess immer wieder neu verdecke.

Der Tod zermalmt alles Sein, die schwarze Materie verschlingt letztendlich alles Licht. Das Licht flackert, es ist aber nicht permanent, es ist im Wandel begriffen. Das Licht ist da und schon entzieht es sich wieder im Erscheinen. Selbst die Physik kann die Eindeutigkeit des Lichtes nicht charakterisieren: Das Licht ist als Welle oder Teilchen messbar. Der Kosmos zeigt sich immer wieder von dieser paradoxen Spielart. Die Welt zeigt sich dem Menschen gebrochen, aber Utopia geht dabei nicht unter. Platon fordert den gerechten Herrscher, der letztendlich nur ein Philosoph sein kann, Thomas Morus oder Campanella entwerfen Utopien vom idealen Staat, vom besseren Leben, von mehr sozialer Gerechtigkeit, später konkreter bei Karl Marx oder im Prinzip Hoffnung bei Ernst Bloch herausgearbeitet.

Das reine Licht zeigt, ontologisch gesehen, auf das verborgene Sein der Dinge, es weist auf ein Noch-Nicht, es überwindet das Dunkel des gelebten Augenblicks (Ernst Bloch). Im Aufleuchten einer besseren Zukunft, im Flackern des Lichts, wird uns für Momente der Ausblick auf das Andere, das Utopische, das Zukünftige gewährt. Utopia gebiert sich permanent im Licht, der Mensch hofft auf eine bessere Zukunft, persönlich und gesellschaftlich. Utopia arbeitet gegen die Lebensangst und die Umtriebe der Furcht, das Licht flackert in der Hoffnung, in Tagträumen vom besseren Leben und stemmt sich aktiv gegen die Kiefer der Negativität, die alles Lebende und Seiende fressen wollen.